Wenn Politik nur noch faltet
In Deutschland gehören laut der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche weiterhin Millionen Menschen zu den beiden großen Kirchen, während die Zahl der Kirchenaustritte zugleich hoch bleibt und die religiöse Bindung sichtbar schrumpft.
Der politische Reflex, soziale Konflikte mit frommer Gesinnung zu übertünchen, ist bequem: Er kostet nichts, löst nichts und lässt die Verhältnisse unverändert, nur mit gesenktem Blick.
Das Problem ist nicht Religion als solche, sondern ihre praktische Ersatzfunktion in der Politik; wo Wohnungsnot, Armut oder Pflegekrise nur mit Gebeten begleitet werden, bekommt das Elend lediglich einen höflicheren Tonfall.
Wer Armut bekämpfen will, sollte Haushalte, Kommunen und Sozialleistungen stärken, statt das Gewissen mit Symbolik zu beruhigen.